Wikijunior:Tree of the Truth/The Base Story in Different Languages/German Version – Deutsche Version

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[edit] German Version – Deutsche Version

Der Baum der Wahrheit

Ein Großvater erzählte einmal seinem Enkel folgende Gute-Nacht-Geschichte:

Auf einer wunderschönen Wiese steht ein mächtiger, schöner Baum, der Baum der Wahrheit. Die Wurzeln des Baumes sind fest im Boden verankert, sodass kein noch so schlimmer Sturm dem Baum etwas anhaben kann. Der Stamm ist dick und gerade gewachsen. Anschliessend beginnt sich der Baum in dicke Äste zu teilen, aus welchen wiederum viele dünnere Äste und eine Vielzahl von Zweigen hervorgehen. Eine unübersehbare Vielfalt von Blüten schmückt zu Millionen die feinen Spitzen der Zweige. Jeder Ast bringt eigene Blüten und Farben hervor, die sich von den Blüten des Nebenastes unterscheiden.

Viele Bienenvölker haben ihre Waben rund um den Baum der Wahrheit errichtet. Die Honigbienen kommen zu Tausenden und Abertausenden von allen Seiten herangeflogen. Sie suchen nach dem Nektar der Blüten, den sie fleißig einsammeln und zu ihren Waben zurückbringen. Die Bienenstöcke haben unterschiedliche Größen und in den Stöcken sind auch jeweils eine unterschiedliche Anzahl von Waben. Aufgrund der Überlieferung sammeln die Bienen einer Wabe nur von den Blüten eines Astes. Es ist ihnen jedoch nicht verboten, auch von anderen Ästen den Nektar zu kosten und zu holen. Es sind genug Blüten auf allen Ästen für alle Honigbienen da.

Der Honig, den die Bienen durch ihr Einsammeln des Nektars erzeugen, schmeckt köstlich und ist die Grundlage für das Weiterleben des Bienenvolkes. Meist schmeckt der Honig gleich, da nur der Nektar von den Blüten eines Astes verwendet wird. Beim Nektarsammeln von anderen Ästen bekommt der Honig einen neuen Geschmack. Diese unterschiedlichen Honigsorten lassen die Bienen erkennen, dass auch die Blüten anderer Äste, als die gewöhnlich angeflogenen, ihrem Honig gut tun und für sie wertvoll sind.

Doch Wind und Vögel bringen auch Samen von Giftpflanzen, welche sich im prächtigen Baum der Wahrheit festsetzen. Aus diesen Samen wachsen dann auf den bestehenden starken Ästen des Wahrheitsbaumes Giftäste und mischen ihre Giftblüten unter die Blüten des Baumes der Wahrheit. Die Bienen können die Blüten nur sehr schwer unterscheiden und so sammelt so manche Biene auch den Nektar der Giftblüten ein. Der Honig, der später aus diesem Giftnektar entsteht, hat jedoch schlimme Folgen. Die Bienen, die diesen Honig essen, können ihn nicht verdauen und sterben alsbald. Die Honigbienen versuchen zwar den nachfolgenden Bienengenerationen ihr Wissen über die Unterscheidung der guten von den Tod bringenden Blüten weiter zu geben, jedoch wird dieses Wissen nicht immer von allen angenommen.

Die Moral aus der Geschichte ist, dass jede Biene das Wissen zwar übernehmen kann, jedoch für sich selbst unterscheiden lernen muß, welche die Giftblüten und welche die Wahrheitsblüten sind. Nur durch das Sammeln des Nektars der Wahrheitsblüten entsteht der lebensspendende Honig. Nur dieser Honig sichert den Bienen ein frohes und erfülltes Leben.


Weitere Anmerkungen des Autors zur Gute-Nacht-Geschichte:

Der Erzähler kann je nach Alter und Interesse des zuhörenden Kindes eine Vielzahl von Analogien zum Leben der Menschen herstellen z.B.:

  • Der Stamm des Baumes stellt die Grundregeln/Grundwahrheiten des Lebens dar, welche für alle Menschen ohne Unterscheidung nach Rasse Gültigkeit haben, z.B.:
    • Man soll nicht töten.
    • Männer und Frauen haben gleiche Rechte.
    • Was du nicht willst, dass man dir tut, das füg’ auch keinem anderen zu.
    • ….
  • Die Hauptäste stellen die verschiedenen Weltreligionen dar, die Zweige die unterschiedlichen Ausprägungen und Auslegungen dieser Weltreligionen.
  • Die Äste können auch zusätzliche Wege zur Wahrheit darstellen, z.B. die Wissenschaften, die Kunst udgl.
  • Die Blüten der Äste sind als Glaubensgrundsätze zu verstehen, welche von den Religionen und Kirchen den suchenden Menschen angeboten werden. Diese sollen für ein friedliches, respektvolles und gutes Miteinander der Menschen die Basis legen.
  • Die verschiedenen Bienenvölker stellen die Menschenrassen dar.
  • Die Waben in den Bienenstöcken die verschiedenen Staaten.
  • Den Menschen steht es frei, sich von den verschiedenen Kirchen überzeugen zu lassen – so wie es den Bienen frei steht, von allen Blüten des Baumes den Nektar zu sammeln.
  • Die Menschen suchen nach den guten Regeln, um ein Leben in Würde und Zufriedenheit und im guten Auskommen mit den anderen Menschen zu leben.
  • Eine Biene kann von einem Bienenvolk auch zum anderen übersiedeln, jedoch wird sie die Spielregeln des neuen Bienenvolkes einhalten müssen, um aufgenommen zu werden.
  • Die Giftäste und Giftblüten sollen z.B. als Verhetzungen durch Hassprediger im Namen der Religionen angesehen werden. Diese Hassprediger können die Menschen auf ihrer Suche nach der Wahrheit im Herzen erblinden lassen und in die Irre führen.
  • Die Unterscheidung zwischen den giftigen und richtigen Blüten kann und muss getroffen werden indem man Vorsicht walten lässt und z.B. durch Bildung die Menschen unterstützt, das Rechte zu erkennen.


„Nichts ist stärker als eine Idee, deren Zeit gekommen ist!“ Victor Hugo (1802-1885), frz. Dichter